Wie der Büffel zu den Gewürzen kam

MALAYA – die goldene Halbinsel – stand Pate für die Gewürze und Würzmischungen der Firma Dr. Esswein & Co. GmbH. Stellvertretend für das Inselarchipel, das an der Straße von Malakka liegt, geschichtlich betrachtet eine der wichtigsten Passagen auf der Gewürzroute und das Tor zum Handel mit China, ziert ein Büffelkopf Dosen und Etiketten des Welzheimer Unternehmens. Dieses ethnologische Symbol ziert auf der goldenen Halbinsel viele Gebäude.

Schon wenn man in die Straße Am Waldesrand einbiegt, hat man das Gefühl, einen asiatischen Gewürzmarkt zu betreten. Unzählige Gerüche steigen in die Nase. Schnell wird klar, hier werden Kräuter und Gewürze verarbeitet.

Vor mehr als 60 Jahren, im Jahre 1946, gründete Friedrich Matthias Renz die Gewürzmühle zunächst in Schwäbisch Gmünd, siedelte dann aber 1951 in das nahe gelegene Welzheim um. Zeitnah zog er sich aus der Geschäftsführung zurück und übertrug die Aufgaben seinem Schwiegersohn Dr. Alfred Esswein, einem gelernten Apotheker und promovierten Mikrobiologen. Dass dieser den „richtigen Riecher“ besaß zeigte sich schnell: Trotz großer Konkurrenz aus dem Raum Stuttgart gelang es ihm, seine selbstkreierten Würzmischungen und natürlich auch Rohgewürze „marktlückenfüllend“ an Metzgereien, Großküchen und Wurstfabriken zu verkaufen, sogar bis über die Grenzen von Baden - Württemberg hinaus.

Die Stärke der Firma Dr. Esswein war und ist die große Flexibilität. Von Säcken über Tonnen bis hin zu 50 g Beuteln ist jede Abpackung möglich.

Oft glich der Alltag in der Gewürzmühle eher dem eines Alchimisten, um neue Gewürzmischungen zu erfinden oder bekannte Geschmäcker nachzustellen. So kristallisierte der Mikrobiologe und Mühleneigner, auf Anregung eines befreundeten Metzgers, aus einer per Luftpost eingeflogenen türkischen Wurst die in Mitteleuropa gänzlich unbekannte Gewürzmischung Sucuk heraus. Nun war es dem Metzgermeister möglich, Wurst für die vielen türkischen Gastarbeiter anzubieten.

Das Endkundengeschäft wurde, aufgrund des großen Zulaufs, noch auf einige regionale Supermärkte und einen Versandhandel ausgeweitet. Als nächster Schritt ist ein Onlineshop für die Vermarktung im Internet geplant.

Die Behandlung und Vermahlung der Rohgewürze ist eine Wissenschaft für sich. Da gibt es Hammer-, Stift-, Sieb- oder Schneidmühlen. Für jede Sorte eine Bestimmte. Bei Anwendung der falschen Mahltechnik würden z.B. stark fetthaltige Ingridenzien nicht zu einem feinen Pulver sondern zu einem zähen Brei.

So wie Malaya das Tor zum Handel mit China war, so ist die Hamburger Gewürzbörse das Tor zu Gewürzen aus aller Welt. Laut Dr. Alfred Esswein sind „die Bewegungen an der Börse oft lebhafter als bei den Aktien.“ Er sollte es wissen, denn alle acht bis 14 Tage rollen per Spedition mehrere Tonnen Rohmaterial in Welzheim an. Über 300 t Gewürze wandern jährlich durch die Mühlen und Mischer.

Durch den Verkauf des schwäbischen Unternehmens im Oktober 2005 an die Firma Willy Arnold GmbH aus Barsbüttel bei Hamburg schließt sich der „Gewürzkreis“. Durch die Synergie mit der Welzheimer Gewürzmühle ist es den Barsbütteler Frische - Experten mehr denn je möglich, ihrem Firmenmotto „Arnold – Für Frische und Geschmack“ treu zu bleiben.